Episode 13211.6.2026

Kann KI Strategie? Hype oder echter Wettbewerbsvorteil

Strategie und KI: Warum der Mensch wichtiger wird, nicht überflüssig.

Künstliche Intelligenz verändert derzeit nahezu jeden Unternehmensbereich. Auch die Strategiearbeit bleibt davon nicht unberührt. Doch kann KI tatsächlich Strategien entwickeln? Oder ist sie lediglich ein weiteres Werkzeug im Werkzeugkasten moderner Führungskräfte? Prof. Dr. Julia Hautz von der Universität Innsbruck geht dieser Frage in einer laufenden wissenschaftlichen Studie nach und liefert spannende Einblicke in die Zukunft strategischer Unternehmensführung.

Die große KI-Erwartung: Strategie auf Knopfdruck?

Viele Unternehmen starten mit einer ähnlichen Hoffnung in die Arbeit mit KI: Daten hochladen, eine Frage stellen und eine fertige Strategie erhalten. Die Realität sieht anders aus. In den ersten Interviews der Studie zeigt sich, dass viele Führungskräfte zunächst auf einen „Magic Button“ gehofft haben. Ein Knopfdruck, der komplexe strategische Entscheidungen automatisiert und den Strategieprozess erheblich vereinfacht. Doch genau diese Erwartung wurde nicht erfüllt. Statt fertiger Strategien liefert KI vor allem Unterstützung bei Analyse, Strukturierung und Dokumentation. Die eigentliche strategische Arbeit bleibt eine Führungsaufgabe.

Strategie wird effizienter – aber nicht automatisch besser

Ein zentrales Ergebnis der bisherigen Untersuchung: KI schafft erhebliche Effizienzgewinne. Informationen können schneller ausgewertet, Marktanalysen einfacher erstellt und große Datenmengen strukturiert verarbeitet werden. Viele der befragten Unternehmen berichten von deutlichen Zeitersparnissen bei administrativen und analytischen Aufgaben. Der eigentliche Mehrwert liegt jedoch nicht nur in der Geschwindigkeit. Die gewonnene Zeit ermöglicht es Führungskräften und Strategieteams, sich stärker auf die wirklich wichtigen Fragen zu konzentrieren: Welche Entscheidungen sind relevant? Welche Chancen entstehen? Welche Risiken müssen berücksichtigt werden? KI übernimmt die Vorbereitung. Strategisches Denken bleibt menschlich.

Open Strategy: Warum mehr Menschen bessere Strategien ermöglichen

Ein Schwerpunkt von Julia Hautz' Forschung liegt seit vielen Jahren auf dem Konzept der Open Strategy. Dabei geht es darum, Strategie nicht nur in kleinen Führungskreisen zu entwickeln, sondern die Perspektiven vieler Mitarbeitender in den Prozess einzubeziehen. Das Problem dabei: Je mehr Menschen beteiligt werden, desto größer wird die Komplexität. Genau hier entfaltet KI ihr Potenzial. Sie kann große Mengen an Ideen, Rückmeldungen und Informationen sammeln, strukturieren und verdichten. Dadurch wird es erstmals realistisch, viele Stimmen in strategische Diskussionen einzubeziehen, ohne in Informationsflut und Abstimmungschaos zu versinken. Die überraschende Erkenntnis: Mehr KI kann zu mehr Beteiligung und mehr Menschlichkeit im Strategieprozess führen.

Der wahre Wettbewerbsvorteil bleibt der Mensch

Wenn allen Unternehmen dieselben KI-Modelle zur Verfügung stehen, stellt sich eine entscheidende Frage: Wo entsteht künftig noch Differenzierung? Für Julia Hautz liegt die Antwort nicht in der Technologie selbst, sondern in den Menschen, die sie nutzen. KI demokratisiert den Zugang zu Analysen und strategischem Wissen. Was früher großen Konzernen mit umfangreichen Strategieabteilungen vorbehalten war, wird heute auch für mittelständische Unternehmen zugänglich. Der Wettbewerbsvorteil entsteht deshalb nicht durch die Nutzung von KI allein, sondern durch die Fähigkeit, das Wissen, die Kreativität und die Perspektiven der eigenen Mitarbeitenden besser zu mobilisieren als andere.

Die Zukunft gehört Multi-Human-AI-Systemen

Eine der spannendsten Thesen aus dem Gespräch lautet: Die Zukunft der Strategie liegt nicht in einzelnen Menschen und auch nicht in einzelnen KI-Agenten. Erfolgreiche Unternehmen werden vielmehr sogenannte Multi-Human-AI-Systeme entwickeln. Dabei arbeiten Menschen und verschiedene KI-Anwendungen gemeinsam an strategischen Fragestellungen. KI übernimmt Analyse, Strukturierung und Wissensmanagement. Menschen bringen Erfahrung, Kontextverständnis, Kreativität und Urteilsvermögen ein. Die eigentliche Stärke entsteht im Zusammenspiel beider Seiten.

Entscheidungen bleiben Chefsache

So leistungsfähig KI auch wird – eine zentrale Grenze bleibt bestehen. Strategische Entscheidungen haben weitreichende Auswirkungen auf Unternehmen, Mitarbeitende und Märkte. Sie sind mit Verantwortung verbunden und oft auch mit ethischen Fragestellungen. Deshalb zeigt sich in den Interviews ein klares Bild: Unternehmen wünschen sich Entscheidungshilfen, Szenarien und Empfehlungen durch KI. Die finale Entscheidung soll jedoch weiterhin beim Menschen liegen. KI kann Optionen aufzeigen. Verantwortung kann sie nicht übernehmen.

Für wen sich diese Episode lohnt

Diese Folge richtet sich an CEOs, Geschäftsführer, Strategieverantwortliche und alle, die verstehen wollen, wie Künstliche Intelligenz die Strategiearbeit verändert. Sie zeigt, warum KI weder die Strategie ersetzt noch den Menschen überflüssig macht. Stattdessen eröffnet sie neue Möglichkeiten, Wissen zu nutzen, Menschen einzubinden und bessere Entscheidungen zu treffen. 

🎧 Jetzt reinhören und entdecken, warum die Zukunft der Strategie nicht Mensch oder Maschine heißt – sondern Mensch und Maschine.

SHOWNOTES

Julia Hautz https://www.linkedin.com/in/julia-hautz-307504114/ 

Christian Underwood https://www.linkedin.com/in/christianunderwood/  

Strategic Decision Intelligence: https://strategicdecisionintelligence.ai

Magazin “Hoffnung ist keine Strategie” https://shop.strategyframe.ai/products/hoffnung-ist-keine-strategie-ii-1-strategic-decision-intelligence 

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